Ludwig-Meyn-Schule und HJ

Aussagen über Hinrich Apfeld als Schulleiter sind schwierig, weil kaum Dokumente aus seiner Zeit als Schulleiter vorliegen. Belegbar ist jedoch, dass sich Herr Apfeld bereits zu Beginn seiner Tätigkeit als Schulleiter positiv zu der Idee äußert, die Ludwig-Meyn-Schule und die Hitler-Jugend (HJ) stärker zu verbinden:

„Die Hitlerjugend regte an, als Heimleiter des Schülerheims einen Führer aus der H.-J. einzusetzen. [...] Ich sehe in dieser Anregung einen ganz grossen [sic] Gedanken. [...] Wir würden durch solche Umorganisation des Heims zweifellos einen erheblichen Zuzug an Schülern bekommen, da die Hitler-Jugend eine nicht unerhebliche Werbung für ‚ihre‘ [gemeint ist der Landrat Duvigneau] Schule entfalten würde. Unsere Schüler sind ja alle in der Hitlerjugend und würden wahrscheinlich die Genehmigung bekommen, täglich die Uniform zu tragen, wenn wir die Schule so stark mit der Hitler-Jugend verknüpfen.“

Herr Apfeld äußert sich in diesem Dokument äußerst positiv über einen stärkeren Einfluss der Hitler-Jugend in der Schule, obwohl er dies in allen Dokumenten nach dem Krieg stets bestritten hat.

 

Im Verlauf des Entnazifizierungsverfahrens von Herrn Apfeld wird behauptet, dass er noch in den letzten Kriegswochen 1945 bei Morgenfeiern die Schüler motiviert haben solle, für den Führer in den Krieg zu treten.

Dies hat Herr Apfeld nach dem Krieg vehement verneint. Ein ehemaliger Schüler erklärte jedoch im Verlauf der Recherchen für dieses Projekt, die Durchhalteparolen des Herrn Apfeld miterlebt zu haben. Dieser habe auf einer Morgenfeier im März oder April des Jahres 1945 ganz konkret dazu aufgefordert, sich freiwillig als Soldat für den Führer zu melden. Die Art, mit der Hinrich Apfeld dies vorgetragen habe, sei sehr eindrücklich gewesen, sodass es Schüler gegeben habe, die sich gemeldet hätten und später gefallen seien.

Man gelangt zu der Ansicht, dass Herr Apfeld über das vom Staat vorgegebene Ausmaß an Propaganda für den Nationalsozialismus hinaus eindeutig die nationalsozialistische Weltanschauung vertreten hat.

Für Volk und Vaterland?

Zwischen den Jahren 1939 und Mai 1945 war Hinrich Apfeld Soldat bei der Wehrmacht. Als solcher wurde er durch einen Kieferdurchschuss verwundet und kehrte somit nach Deutschland zurück.

Auf der Feier der „Verpflichtung der Jugend“, die eine Art Ersatz für die traditionellen Jugendfeiern wie die Konfirmation darstellte, äußerte sich Apfeld im März 1943 vor 14-Jährigen und ihren Eltern:

„Ihr werdet nun [...] verpflichtet und sagt: ‚Ich verspreche, allezeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und zu unserer Fahne.’ Ihr müßt [sic] euch in dieser feierlichen Stunde klar darüber werden, was es heißt, seine Pflicht zu tun. Denkt an den Arbeiter, der irgendwo in einer Fabrik, in einem Bergwerk von morgens bis abends schafft und werkt, denkt an den Bauer, der vom frühen Morgen bis zum späten Abend seinen Boden in harter Arbeit bebaut, und denkt an eure Mutter, die tagaus tagein von früh bis spät im Hause für euch emsig und fleißig ist, und denkt an die Soldaten, die ihre Pflicht tun bis zum Tode. Sie alle und all die vielen anderen Menschen tun ihre Pflicht, jeder in seinem ihm gewordenen Wirkungskreis. Laßt [sic] euch nie von den Laxen und Lauen, von den Schwächlingen und Faulen abhalten, eure Pflicht zu tun, denn nur der Mensch hat den Segen Gottes zu erwarten, der strebend sich bemüht, seine Pflicht zu erfüllen. Hinter dieser Pflicht lodert das Feuer der Freiheit.“

Konstruktion einer beschönigenden Vergangenheit

Für die Zeit nach dem Krieg liegen hauptsächlich Quellen von Herrn Apfeld selbst vor, in denen er sich im Entnazifizierungsverfahren als Gegner des nationalsozialistischen Regimes darstellt.

Apfeld äußerte sich in einem Schreiben vom 24. November 1948 an den Entnazifizierungsausschuss des Kreises Pinneberg folgendermaßen:

„Hier habe ich die ganzen Jahre sachlich als Lehrer und Erzieher gearbeitet und alle Versuche der Partei, bestimmenden Einfluss auf die Erziehung zu gewinnen, abgelehnt. 1934, als es üblich war, Erziehungsziele aufzustellen wie: 'die Kinder zu echten Nationalsozialisten und treuen Gefolgsleuten des Führers' zu erziehen, stellte ich das [...] Erziehungsziel für das Schülerheim auf, das in krassem Gegensatz zu den damals üblichen Erziehungszielen stand und in dem von Nationalsozialismus überhaupt nicht die Rede ist.“

Dass diese Aussage nicht Apfelds wirkliche Handlungen und Ansichten widerspiegeln kann, zeigt ein Vergleich mit seinen Aussagen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Aufgrund der vorliegenden Quellen zur NS-Zeit kann Herrn Apfelds rückblickende Darstellung als schlichtweg falsch betrachtet werden.

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Quellenverzeichnis

-Landesarchiv Schleswig

• Entnazifizierungsakte Hinrich Apfeld (Abt.460.9 Nr.45)
• Personalakte Hinrich Apfeld (Abt.811 Nr.9451)
• Akte (Abt.320.12 Nr.1605)
• Personalakte Walter Schadow (Abt.811 Nr.8068)
• Personalakte Hans Gloyer (Abr.811 Nr.9755)

-Nachlass Hinrich Apfeld, Kelkheim

-Mitteilungen von Zeitzeugen

• Mitteilung von Ingrid Fischer an Sönke Zankel, Kelkheim, Mai 2008
• Mitteilung von Ingrid Fischer und Klaus Fischer an Sönke Zankel, Kelkheim, September/ Oktober 2008

-Zeitzeugeninterviews

• Hans-Herbert Hennigsen, Uetersen am 17. Dezember 2008

-Archiv der Ludwig-Meyn-Schule, Uetersen

• Fotoalbum zu Ehren der gefallenen Schüler der Ludwig-Meyn-Schule

-Presseberichte

• Ausstellung in der Ludwig-Meyn-Schule in Uetersen, Uetersener Nachrichten vom 20. September 1938
• Einweihung des erweiterten Schülerheims der Ludwig-Meyn-Schule, Uetersener Nachrichten vom 23. Mai 1938
• Feier der Verpflichtung in Uetersen, Uetersener Nachrichten vom 29. März 1943

2. Literaturverzeichnis

• 75 Jahre Ludwig-Meyn-Schule, Uetersen, 1998.
• Danker, Uwe, Internieren, entnazifizieren und umerziehen, Erste Vergangenheitsbewältigung nach 1945, in: Ders. Paul, Gerhard und Wulf, Peter (Hrsg.), Geschichtsumschlungen: Sozial- und kulturgeschichtliches Lesebuch Schleswig- Holstein 1848-1948, Bonn 1996, S. 286ff.
• Hoch, Gerhard u.a., „Des Reiches leibhaftige Adler“ an der Ludwig-Meyn-Schule in Uetersen, in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 2003, Pinneberg 2003, S.129ff.
• Jürgens, Jessica, Entnazifizierungspraxis in Schleswig- Holstein, Eine Fallstudie für den Kreis Rendsburg 1946-1949, in: Unverhau, Henning (Hrsg.), Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig- Holsteinische Geschichte Band 125, Neumünster 2000, S.145ff.
• Kardel, Harboe, Grenzlandmelodie in Dur und Moll, Neumünster, 1975.
• Kershaw, Ian, Hitler, 1889 – 1936, München, 2002, S.665ff.
• Witt, Hellmuth u.a., 50 Jahre Königlich-Preußisches Lehrerseminar/ 60 Jahre Ludwig-Meyn-Schule zu Uetersen, Uetersen, 1985.


3. Bildnachweise

Nachlass Hinrich Apfeld, Kelkheim

Inhaltsverzeichnis
I. LMS und HJ
II. Für Volk und Vaterland?
III. Apfeld nach 1945
IV. Quellen