Pein und der NS

Anfang April 1923 trat Pein als Studienassessor an der Aufbauschule Uetersen, das heutige Ludwig-Meyn-Gymnasium, an. Dort wurde er am 1.10.1925 zum Studienrat und am 12.6.1927 zum Studiendirektor befördert.
Anfang August 1932 trat Pein der NSDAP bei. Wie überzeugt er der nationalsozialistischen Partei gegenüberstand, deutet sich bereits daran an, dass er seit Anfang 1933 als Ortsgruppenleiter der NSDAP in Uetersen tätig war, später sogar Stadtverordnetenvorsteher von Uetersen. Von Anfang April 1933 bis Anfang Mai 1933 war Pein Mitglied der SA, der paramilitärischen Organisation der Nationalsozialisten. Damit endet jedoch nicht die Liste von Peins Mitgliedschaften in nationalsozialistischen Organisationen. Er war außerdem Mitglied in der Nationalistischen Volkswohlfahrt, des Nationalistischen Lehrerbunds, des Reichsluftschutzbundes und des NS-Altherrenbundes der deutschen Studenten. Letzterer versuchte, nationalsozialistische Akademiker an den Hochschulen zu konzentrieren und den NS-Studentenbund durch Geld zu unterstützen. Unverkennbar ist hier: Pein unterstützt schon früh die nationalsozialistische Bewegung.
Am 1. Mai 1933 wurde Pein, der schon früh Studiendirektor war, zum kommissarischen Oberschulrat und später zum kommissarischen Regierungsdirektor an dem Höheren Schulwesen in Schleswig ernannt.

Leiter der Napola Spandau

Anfang Januar 1934 übernahm Pein zunächst die kommissarische Leitung der staatlichen Bildungsanstalt Lichterfelde, die spätere Napola, die Nationalpolitische Erziehungsanstalt, die nach einiger Zeit nach Spandau verlegt wurde. Im März wurde Pein die endgültige Leitung der Napola übertragen und er wurde Oberregierungsrat an der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt. Das Anliegen für den Wechsel von der Aufbauschule zur Napola sah er rückblickend in den 1960er Jahren darin, dass er der Meinung war, dass ihm „von Natur die praktische Erziehungs- und Unterrichtsarbeit mehr lag, als die Verwaltungsarbeit“.
Die Napolas waren „Eliteinternate“, deren Aufgaben die Erziehung zu Nationalsozialisten und die Bildung der kommenden nationalsozialistischen Führergeneration der Deutschen waren. Die „politische Zuverlässigkeit“ der Eltern – im Sinne des NS-Staates – war Voraussetzung für die Kinder, an die Schule zu kommen, ebenso erfolgte eine rassische Überprüfung. Peins rückblickende Darstellung erwähnt jedoch keine politische Motivation für seine Tätigkeit bei der Napola. In Anbetracht seiner breiten Unterstützung der nationalsozialistischen Bewegung ist dies als Konstrukt seiner eigenen Wirklichkeit nach 1945 zu bewerten.
Während der Zeit an der Napola, die er mit aufgebaut hatte, wurde Pein am 15. August 1936 durch den SS-Reichsführer in die Schutzstaffel (SS) aufgenommen und zum Dienstgrad eines SS-Untersturmführers ernannt, sowie am 12. September 1937 zum Obersturmführer.

Pein in der Lehrerbildung

Bis Anfang Juni 1938 blieb Bernhard Pein Leiter der Napola in Spandau, dann übernahm er die Leitung der Hansischen Hochschule für Lehrerbildung. Während dieser Zeit, die bis zum Jahre 1942 dauerte, da sich die Schule danach auflöste, wurde Pein am 30. Januar 1939 zum SS-Hauptsturmführer sowie am 2. September 1938 zum Professor ernannt und das, obwohl ihm schon 1933 bescheinigt worden war, dass er keine besonderen wissenschaftlichen Interessen zeige. Doch dies war offensichtlich kein wichtiges Kriterium. Vielmehr war eine Parteikonformität von Bedeutung, die Pein durch seine Tätigkeit an der Napola mitzubringen versprach. Und dies bestätigte sich.
In unterschiedlichen Dokumenten und Reden von Pein selbst aus den 1930er Jahren lässt sich seine Vorstellung des Lehrerberufs gut rekonstruieren. So vergleicht Pein Lehrer mit Offizieren und betont wiederholt, wie wichtig Härte und Strenge bei Erziehung und Bildung sei. Auch wird an seinen Reden vor angehenden Lehrern deutlich, wie sehr er vom Nationalsozialismus überzeugt war und somit versuchte, dies auf die neuen Lehrer zu übertragen. Auch in offiziellen Gutachten, die im Laufe seiner Tätigkeit an der Hochschule erstellt wurden, wird immer wieder betont, dass Pein seine Aufgaben in einem „nationalsozialistischen Geist“ erfülle. Pein nutzte seine Stellung als Professor, um auf seine Studenten in nationalsozialistischer Gesinnung einzuwirken.

Nach Kriegsende

Obwohl eindeutig war, dass Pein Nationalsozialist war und diese Grundwerte auch öffentlich vertrat, wurde er nach Ende des Zweiten Weltkriegs dafür in keinster Weise bestraft oder auch nur in Rechenschaft gezogen. Zwar wurde sein Fall mehrmals von einem Spruchgericht behandelt, doch es kam nie zu einer wirklichen Bestrafung. Auch während der Entnazifizierung wurde Pein zu keiner Strafe verurteilt. In seinen Unterlagen zur Entnazifizierung findet man mehrere Dokumente, die gegen Pein als Nationalsozialist sprechen und ihn als Kritiker der NSDAP darstellten.
Peins Fall ist damit ein Beispiel für den Verlauf der Entnazifizierung. Ein Volk war angeklagt, ein Volk verteidigte sich. Die Deutschen stellten sich gegenseitig die so genannten „Persilscheine“ aus und versuchten damit, ihre nationalsozialistische Vergangenheit ungeschehen zu machen. Freunde und alte Bekannte halfen sich. Der Quellenwert dieser Aussagen bezüglich der Frage nach der politischen Orientierung Peins muss insofern als niedrig eingestuft werden: Es existieren keinerlei Hinweise zur Person Bernhard Pein in den Quellen aus der Zeit vor 1945, die auf einen „kritischen Nationalsozialisten“, der zu seiner Parteitätigkeit gedrängt wurde, hindeuten. Im Gegenteil: Sein vielfältiger Einsatz für die Partei und den nationalsozialistischen Staat belegen das Gegenteil.

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Quellenverzeichnis

Landesarchiv Schleswig-Holstein:

- Personalakte Bernhard Pein (Abteilung 811, Nr. 7926)

Staatsarchiv Hamburg:

- Entnazifizierungsakte (Bestandsnummer 221-11, Bestandsname: Staatskommissar für die Entnazifizierung und Kategorisierung, Signatur: X 895)

- Hilfsakte Bernhard Pein, Bestandsnummer: 361-6, Bestandsname: Hochschulwesen: DPA, Signatur der Archivguteinheit: IV 1411

- Bestandsnummer: 113-5, Signatur: BV 115

Bundesarchiv Berlin:

- Personalakte Bernhard Pein, Signatur: R4901/20067

Bundesarchiv Koblenz:

- Spruchgerichtsakte Bernhard Pein, Spruchgericht in der britischen Zone, Z 42IU 2936

Zeitzeugeninterview:

- Interview mit Frau H., der Tochter von Bernhard Pein, Halstenbek 19.12.2008

Gedruckte Quellen:

- Pein, Bernhard, Der deutsche Lehrer und Erzieher als pädagogischer Offizier, Vortrag des Hochschulleiters SS Hauptsturmführers Prof. Bernhard Pein anlässlich der Verpflichtungsfeier für die Jungsemester am 19. Januar 1940.

2. Literaturverzeichnis


- Danker, Uwe, Internieren, entnazifizieren und umerziehen, Erste Vergangenheitsbewältigung nach 1945, in: Ders., Paul, Gerhard und Wulf, Peter, Geschichtsumschulungen, Sozial- und Kulturgeschichtliches Lesebuch Schleswig-Holstein 1848-1948, S. 286 – 292.

- Gutzmann, Ulrike, Von der Hochschule für Lehrerbildung zur Lehrerbildungsanstalt, Düsseldorf 2000.

- Jürgens, Jessica, Entnazifizierungspraxis in Schleswig-Holstein, Eine Fallstudie für den Kreis Rendsburg 1946-1949, in: Unverhau, Henning (Hrsg.), Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holstein Geschichte, Neumünster 2000, S. 145 – 174.

- Leide, Henry, NS-Verbrecher und Staatssicherheit, Die geheime Vergangenheitspolitik der DDR, Göttingen 2005.

- Weiß, Hermann, Nationalpolitische Erziehungsanstalten, in: Ders. Und Benz, Wolfgang sowie Graml, Hermann, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, München 1998.


3. Bildnachweise

Archiv des Ludwig-Meyn-Gymnasiums, Uetersen

Inhaltsverzeichnis
I. Pein und der NS
II. Leiter der Napola Spandau
III. Pein in der Lehrerbildung
IV. Nach Kriegsende
V. Quellen