Der „jüdische Bolschewismus“

Die Nationalsozialisten sahen in den Juden die Urheber des Kommunismus, welcher damals sehr gefürchtet war. Das „Weltjudentum“ würde ihn für den Plan einer „Weltrevolution“ nutzen, um in der ganzen Welt die Macht an sich zu reißen. Zentrale dieser weltumspannenden Verschwörung sei die Sowjetunion, welche, laut der Uetersener Nachrichten, vollkommen von Juden regiert werde.

Die Nationalsozialisten verwiesen immer wieder auf die unglaubliche Armut und die katastrophalen Hungersnöte in der Sowjetunion, um das den Juden anzulasten, die die Bevölkerung brutal und erbarmungslos unterdrücken würden. Denn der Kommunismus wäre nur das sprichwörtliche Schafspelz, welches die Freiheit versprechen und so die Menschen in die Gefangenschaft locken würde. Für die UeNa war der Kommunismus nur ein Werkzeug der Unterdrückung, Manipulation, Ausbeutung und Zerstörung.

Juden als Kapitalisten

Die Juden waren in den Augen der Nationalsozialisten geldgierige und skrupellose Verbrecher. Sie würden alles für Geld tun und dafür wäre ihnen jedes Mittel recht. Neben den legalen Tätigkeiten würden die Juden sich über Betrug, Diebstahl und Schmuggel finanzieren und ihre Einkünfte durch Bestechung sichern. Zur besseren Umsetzung ihrer Pläne würden sie in Spitzenpositionen vordringen, um so die Kontrolle über Wirtschaft und Politik zu erlangen.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Juden in der UeNa auch als Kriegsgewinnler dargestellt. Gegen Ende des Krieges behauptete sie, dass die Juden die vollständige Ausplünderung Deutschlands planen würden, indem sie einfach die gesamte Industrie sowie andere Güter außer Landes schaffen, um Deutschland so zu ruinieren.

„Parasiten“ und „Weltverschwörer“

Für die Nationalsozialisten waren die Juden Parasiten, die die Völker der Erde finanziell aussaugen würden, bis diese zerstört seien. Die Juden würden in jeden Gesellschaftsbereich eindringen und hätten Wirtschaft, Politik und Presse in ihrer Hand. Überall seien Juden: von den Parteien und den Parlamenten über Literatur und Film bis zur Börse und Industrie sei alles in jüdischer Hand. Durch diese Aussaugung wären auch die Wirtschaftskrisen entstanden, insbesondere die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre.

Immer wieder wurde in der UeNa die Geschichte der jüdischen Weltverschwörung verbreitet, mit der die Juden angeblich die Weltherrschaft anstrebten. Dafür würden unter anderem die Massenmedien missbraucht werden, um die Völker der Erde gegeneinander aufzuhetzen und die Massen zu beeinflussen. Auch der Kommunismus würde eine weitere wichtige Rolle spielen. Mit ihm würden die Juden die Menschen kontrollieren und die „Weltrevolution“ herbeiführen.

Juden als „Rassenschädlinge“

Der Kernpunkt der nationalsozialistischen Ideologie war der Antisemitismus, also die rassistische Judenfeindschaft. Das heißt, die Nationalsozialisten sahen die Juden nicht als Religionsgemeinschaft, sondern als Rasse bzw. als eine Art „Rassenparasit“. Die Juden wurden als Krankheitserreger dargestellt, die weltweit die Völker befallen hätten. Sie würden durch bewusst geschlossene „Mischehen“ das Blut verderben und so die Völker langsam aber sicher „bastardisieren“ und ausrotten. Damit wurden die Juden zu Schädlingen, die es zu zertreten galt, bevor diese „rasse-, volks- und raumlosen Nomaden“ die Welt ins Unglück stürzen würden.

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Quellen


- Tageszeitung „Uetersener Nachrichten“ Ausgaben 1933-1945

2. Literatur


- Benz, Wolfgang, Was ist Antisemitismus?, Bonn 2004.

- Benz, Wolfgang, Antisemitismus in Deutschland, München 1995.

- Chaim-Lev, Daliah & Schubert, Christina, „Die Uetersener Nachrichten – eine nationalsozialistische Zeitung?“ in: Zankel, Sönke (Hrsg.), Uetersen im Nationalsozialismus, Schüler der Ludwig-Meyn-Schule untersuchen die Geschichte ihrer Stadt, Kiel 2009.

- von Ziehlberg, Roland, Presserecht und Pressefreiheit – Die Tageszeitung im Dritten Reich, in: Heydorn Druckerei & Verlag, Extrablatt zum 125-jährigen Firmenjubiläum am 17. August 2006 S.8.


3. Bildnachweise

Archiv der Uetersener Nachrichten

Inhaltsverzeichnis
I. Der „jüdische Bolschewismus“
II. Juden als Kapitalisten
III. „Parasiten“ und „Weltverschwörer“
IV. Juden als „Rassenschädlinge“
V. Quellen