Uetersener Nachrichten vom 6. März 1933

Große fett gedruckte Buchstaben prägen das Bild. Fotos wurden zentral platziert. Es handelt sich um den Wahlsieg Adolf Hitlers. Der Leser sollte das „herausragende“ Wahlergebnis der NSDAP von 52% wahrnehmen. Die Ergebnisse aller anderen Parteien, die folglich 48% der Stimmen besaßen, werden nicht verschwiegen, dennoch mit den Worten „die Linksparteien völlig ausgeschaltet“ abgetan. Dies sollte dem Leser mit Nachdruck klarmachen, dass es zukünftig ausschließlich die NSDAP geben würde. Außerdem bediente sich die Presse des Mittels auch innerhalb der Artikel gezielt einzelne Worte oder Parolen fett abzudrucken, z.B.: „Die größte politische Entscheidungsschlacht ist geschlagen“, „Mehrheit der Rechten“.
In verschiedenen Artikeln wird ausführlich über die Wahl berichtet. Die Überschriften „Die Bedeutung der Wahl“, „Reichsminister Göring zum Wahlergebnis“ „Das vorläufige amtliche Wahlergebnis“ „Verteilung der Mandate“ klingen politisch neutral. Einzig die Berichterstattung unter der Überschrift „Zusammenstöße am Wahltag“ über den Tod eines jungen Kommunisten in Folge eines „politischen Zusammenstoßes“ und den Angriff „kommunistische[r] Häuser- und Dachschützen auf die Schutzpolizei“ sind suggestiv, da ein allgemeingültiges negatives Bild der Kommunisten geschaffen wird.
Ein weiterer, sehr wirkungsvoller Effekt sollte beim Leser durch die sehr gezielt ausgewählten Fotos auf der Seite ausgelöst werden. Zunächst wurde ein Foto im oberen Drittel der Seite platziert, in dem Bereich, auf den der Leser als erstes achtet. Es war die Abbildung des ausgebrannten Reichstages, der zur Besichtigung freigegeben worden war. Offensichtlich sollte mit diesem Foto Empörung bei dem Leser hervorgerufen werden. Auch der Wunsch nach Bestrafung der Schuldigen ist als Wirkungsziel möglicherweise beabsichtigt.

Uetersener Nachrichten vom 19. April 1939

Der 50. Geburtstag Adolf Hitlers am 20. April 1939 wurde im ganzen Deutschen Reich ausgiebig und aufwendig gefeiert. Es gab viele Umzüge und Aufmärsche und zahlreiche – auch internationale – Politiker kamen nach Berlin, um „dem Führer“ persönlich zu gratulieren. Dieser Tag war ein staatlich verordneter Feiertag, über den dementsprechend ausführlich auch in der Presse berichtet wurde.
Auch in den Uetersener Nachrichten nahmen sowohl am 19. April 1939 als auch am 20. April 1939 die Ankündigung und die Berichterstattung über den Geburtstag die komplette erste Seite der jeweiligen Ausgabe ein.
Neben dem Ablauf der Feierlichkeiten sind auf der ersten Seite der Ausgabe vom 19. April 1939 auch regionale Artikel zum „Führer Geburtstag“ zu finden. Sehr ausführlich wird das Geburtstagsgeschenk des Gaus Schleswig-Holstein beschrieben und der Gauleiter Hinrich Lohse gratuliert im Namen aller Schleswig-Holsteiner und wünscht Hitler, „dass Sie bei bester Gesundheit in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Ihr großes nationalsozialistisches Werk vollenden können, das der Wohlfahrt unseres eigenen Volkes und dem Frieden der Menschheit dient.“ Auch aus Uetersen direkt wurden Glückwünsche an Hitler abgedruckt. In einem Gratulationsschreiben der Gau Nordmark werden die Ehrerbietung und die Dankbarkeit gegenüber Hitler deutlich. Dies deutet auf die nationalsozialistische Orientierung der Uetersener Nachrichten hin.

Uetersener Nachrichten vom 1. September 1939

Die Reichstagssitzung vom 1. September 1939, in der Hitler den Einmarsch nach Polen erklärte, ist eines der wichtigsten historischen Ereignisse in der Zeit des Nationalsozialismus. Es war der erste große militärische Schritt Hitlers auf seinem Weg zur angestrebten Weltherrschaft.
Natürlich wurde dieses Ereignis auch ausführlich in der Presse behandelt. Über den 1. September 1939 druckten die Uetersener Nachrichten einen ausführlichen Ablauf der Reichstagssitzung. Sehr detailliert wird die Stimmung im Reichstag beschrieben: “In lebhafter Unterhaltung stehen die Männer des Deutschen Reichstages in kleinen Gruppen beieinander, der Ernst und die Bedeutung dieser Stunde ist von allen Gesichtern abzulesen“ und die Abgeordneten bieten ein „wundervolles Bild der Geschlossenheit und der Disziplin“. Hier zeigt sich, wie die Nachrichtenagenturen und letztlich auch die Uetersener Nachrichten zum Propagandainstrument der nationalsozialistischen Machthaber wurden.
An zahlreichen Stellen soll die große Sympathie und die Unterstützung von Hitlers Handlungen deutlich gemacht werden: „Ein Orkan von Heilrufen und Händeklatschen schlägt dem Führer entgegen“ und ein „ungeheure[r], minutenlange[r] Begeisterungssturm […] ist ein neuer Beweis des tiefen Vertrauens des deutschen Volkes in die Entscheidungen seines Führers“. Auch der Inhalt seiner Rede, der teilweise noch einmal separat abgedruckt ist, sei von den Abgeordneten enthusiastisch gefeiert worden.
In seiner Rede habe Hitler versichert, „der eingangs die deutsch-polnischen Probleme aufzeigt und vor allen Dingen in schonungsloser Offenheit die Entwicklung der letzten Wochen und Monate darstellt“, dass er diesen Menschen helfen wolle und werde. Auch habe er Polen attackiert, auf das keinen Verlass sei und äußert schärfste Kritik am Versailler Vertrag, der für die Deutschen nicht als Gesetz angesehen werden könne. Insgesamt rechtfertigte Hitler also den geplanten Einmarsch in Polen. Dass die Uetersener Nachrichten die Rede wortgetreu und ohne weiteren Kommentar abdruckten, zeigt das widerstandslose Akzeptieren und somit auch das Unterstützen des Verhaltens und der Worte Hitlers.

Hosteiner Nachrichten vom 2. Mai 1945

Die Holsteiner Nachrichten, die am 3. Mai 1943 an die Stelle der Uetersener Nachrichten getreten waren, berichten in ihrer vorerst letzten Ausgabe vom 2. Mai 1945 über den Tod von Adolf Hitler.
Auffällig ist die Wortwahl für die Titelzeile:
„Adolf Hitler gefallen“.
Diese Wortwahl erweckt den Eindruck, dass Hitler vergleichbar einem Soldaten im Kampf gefallen sei. Hitler hatte aber Selbstmord begangen. Die näheren Umstände seines Todes werden dem Leser verschwiegen. Stattdessen wird ein Bild vom „Heldentod“ des „Führers“ erzeugt. Diese Tatsachenfälschung sollte der Öffentlichkeit die Wahrnehmung eines sich „im Kampf gegen die bolschewistische Sturmflut“ und für das deutsche Volk aufopfernden „Getreue[n]“vermitteln.

Ein weiteres stilistisches Mittel der Presse ist die emotionale Sprache. Dinge werden übertrieben dargestellt. So wird im vorliegenden Zeitungsartikel vom „schwersten erlittenen Schlag des Volkes durch den Heldentod Hitlers“ berichtet, von „tiefster Erschütterung“ oder „mehr denn je steht der Untergang bevor“, “durch tiefste Täler schreiten die Menschen“. Diese Worte sollten die Deutschen in ihrer Trauer und Betroffenheit vereinen, um in „ihrem Sinne“ – also dem der hinter Hitler stehenden Bevölkerung – auch „nach dem Heldentod des Führers“ „gegen den Bolschewismus“ entschlossen zu kämpfen. „Denn nur durch Einmütigkeit kann […] das Furchtbarste abgewendet werden“.

Ein anderes stilistisches Propagandamittel ist die Negativdarstellung der „Weimarer Republik“. Bei der Beschreibung der Zeit vor 1933 wurde alles in Frage gestellt und angezweifelt. Dies wird deutlich durch das Wort „angeblich“: Denn „angeblich war damals Frieden“, „angeblich stand dem Glück des Volkes damals nichts im Wege“, „angeblich bestand ein Volk, das aber in Wirklichkeit zersplittert war in Parteien, Verbände und Meinungen“. Dann aber sei „der Führer“ gekommen und habe das Schicksal des Reiches in die Hand genommen, mit der Folge, dass sogar die Gegner Hitler bewunderten. Einem Aufstieg durch Geschlossenheit und neuen Glauben hätte dann nichts im Wege gestanden.

Auch auf “Gottes Hilfe“ wird verwiesen. In der Proklamation des Hitler-Nachfolgers, Großadmiral Dönitz, wird erklärt: „Gott wird uns nicht verlassen!“ Hier wird die nationalsozialistische Politik als angeblich „göttliche Mission“ dargestellt. Die Verantwortung für „so viel Leid und Opfer“ wird nicht in der eigenen Politik, sondern als „vom Schicksal“ auferlegt dargestellt.

Inhaltsverzeichnis
I. Reichstagswahlen März 33
II. 50. Geburtstag Hitlers
III. Überfall auf Polen
IV. 2. Mai 1945: Hitlers Tod